Die gesetzlichen Krankenkassenbeiträge, wie sparen?

Die gesetzlichen Krankenkassenbeiträge werden wieder erhöht

Das altbekannte Thema mit der Beitragserhöhung der Krankenkasse. Laut Politik ist es erwünscht, dass der Arbeitnehmer bei einer Erhöhung seines Krankenkassenbeitrages die Differenz selbst bezahlen soll und der Arbeitgeber weitgehend von dieser Erhöhung verschont bleibt. So wie in all den Jahren davor bereits praktiziert. Erstmal vielen Dank an unsere sehr sozial eingestellten Politiker.
gesetzl-KK-Beitraege-520pxDiese ganze Thematik zur gesetzlichen Krankenkasse ist bei näheren Hinsehen jedoch völliger Quatsch! Einer ernsthaften Diskussion fehlt es an einer soliden Grundlage. Beitragserhöhungen hin oder her.

TTI-Man hinterfragt:
Warum ist die ungleiche Belastung, Arbeitnehmer zu Arbeitgeber im Prinzip nur dummes Zeug?
Nun, zum besseren Verständnis der Reihe nach:

Erstens kostet die Krankenkasse im Monat eine Summe XXX,xx Euro.
Dabei spielt es für die gesetzliche Krankenkasse keine Rolle, von wem diese Summe X bezahlt wird bzw.
von wem die gesetzliche Krankenkasse ihr Geld bekommt.

Ob der Angestellte alles bezahlt – so wie beim Selbständigen völlig normal ist oder ob der Krankenkassenbeitrag vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber teils zur Hälfte gezahlt wird, macht für die Krankenkasse absolut keinen Unterschied. Hier zählt nur am Ende der komplette Krankenkassenbeitrag. Ich denke, bis hier her kann mir jeder gedanklich folgen.

Nun keimt bei jeder Beitragserhöhung immer wieder die Diskussion auf, dass es ungerecht mit der Aufteilung der Beiträge zugeht. Der Arbeitnehmer wird angeblich benachteiligt, weil der Arbeitgeber für seine Angestellten weniger Krankenkassenbeitrag zahlt.

Dann schauen wir uns das mal genauer an. Fakt ist:
Etwas mehr als die Hälfte des gesamten Krankenkassenbeitrages geht von Ihren Bruttolohn ab. Den anderen etwas kleineren Teil zahlt Ihr Arbeitgeber. Soweit ist es auf jeder Lohnabrechnung nachvollziehbar.

Aber Achtung jetzt!
Der Arbeitgeber zahlt an Sie einen Bruttolohn bzw. Bruttogehalt – Denn schließlich sind Sie bei Ihm angestellt. Darüber hinaus zahlt der Arbeitgeber anteilig Beiträge zur Krankenkasse, Rentenversicherung usw. Das heißt: Zu Ihren Bruttolohn hat der Arbeitgeber eben diese weiteren Ausgaben. Das nennt sich Lohnnebenkosten.

Worauf will ich jetzt hinaus?
Alles Geld wovon Ihre Beiträge und die Beiträge des Arbeitgebers gezahlt werden, kommt sowieso von Ihrem Arbeitgeber. Der widerum hat sich bereits im Vorfeld ein Limit gesetzt, in Puncto, was Sie ihn Kosten dürfen. Also, was Ihre Arbeit Ihren Arbeitgeber wert ist. Lassen Sie sich diesen Satz noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen. Denn der Satz sagt nichts anderes als das Sie soviel für Ihren Arbeitgeber erwirtschaften, dass er davon alles bezahlen kann.

Was heißt das jetzt für Sie?
Nun, überlegen Sie mal. Ob der Krankenkassenbeitrag in Zukunft auf 16 oder 17 Prozent ansteigt bedarf doch für den Arbeitnehmer keiner Diskussion. Denn Sie als Arbeitnehmer/Angestellter sind Pflichtversichert und müssen in jedem Fall zahlen. Da führt kein Weg daran vorbei. Ein Wechsel zu einer günstigeren Krankenkasse, die vielleicht in der Vergangenheit etwas besser mit ihren Mitgliedsbeiträgen gewirtschaftet hat, kann eine vorübergehende gute Lösung für Sie als Arbeitnehmer sein.

Aber zurück zum Thema:
Der Arbeitgeber kauft quasi Ihre Arbeitskraft auf dem freien Markt ein. Sie glücklicher dürfen nun zu festen Arbeitsbedingungen arbeiten. Für den Arbeitgeber ist wichtig zu wissen, was die eingekaufte Arbeitskraft tatsächlich für ihn kostet und was diese Kraft erwirtschaftet.

Mit Kosten sind gemeint: Alle Kosten zusammen gerechnet. Dabei ist es dem Arbeitgeber egal, wie viel Beitrag Sie von Ihren Bruttolohn an Ihre Krankenkasse zahlen müssen. Denn alles Geld kommt sowieso erst einmal vom Arbeitgeber. Geld was Sie im Vorfeld für Ihren Arbeitgeber eingebracht haben.

Zum Bruttolohn zahlt Ihr Arbeitgeber nämlich noch die sogenannten Lohnnebenkosten, die er zu berücksichtigen hat. Erst dann ist klar was der Angestellte den Arbeitgeber wirklich kostet. Damit der Arbeitgeber keine Überraschung erlebt, hat er in der Regel einen festen Buchhalter bzw. ein Steuerberaterbüro im Schlepptau.

Sind Sie ihm vom Monatsgehalt einschließlich Lohnnebenkosten zu teuer, wird er nach Möglichkeit versuchen eine Lohnerhöhung über einen längeren Zeitraum zu umgehen oder sucht sich einen neuen Arbeitnehmer zu deutlich günstigeren Konditionen und Sie sind raus.

Das Prinzip verstanden?
Es spielt für den Arbeitgeber überhaupt keine Rolle, wie viel Sie als Arbeitnehmer mehr belastet werden und für Sie spielt es ebenso keine Rolle. Denn Sie haben keine andere Wahl als Pflichtversicherter. Vielleicht verstehen Sie so langsam, dass der Arbeitgeber nicht wirklich einen Vorteil von dem etwas niedrigeren Beitrag hat. Für ihn zählt nur die Gesamtausgabe pro Monat, die er für Sie bereit stellen muss.

Selbst wenn die Politik das Gesetz komplett ändern würde, so dass in Zukunft der gesamte Beitrag vom Arbeitgeber bezahlt werden müsste, hätte der Arbeitnehmer nur scheinbar mehr Netto vom Brutto, weil der Krankenkassenbeitrag nicht von seinem Bruttolohn auf der Lohnabrechnung abginge. Nur das würde nicht passieren. Weil der Arbeitgeber in dem Moment Ihr Brutto genau um jenen Betrag kürzen würde, den er auf der anderen Seite für Krankenkasse und Co. für Sie zahlen müsste. Gut, das war jetzt ein bisschen Theorie gewesen.

Aber im Prinzip ist es so. Alles wird letztendlich aus einen Topf bezahlt, den Sie erst einmal erwirtschaften. Die ganze hin und her Schieberei und ungleichmäßige Aufteilung der Krankenkassenbeiträge ist im Prinzip ein Treppen-Witz. Weil letztendlich nur Sie als Arbeitnehmer für die Kosten aufkommen. Oder glauben Sie allen ernstes, dass Ihr Arbeitgeber die Arbeitgeberbeiträge aus seiner Tasche bezahlt? Nee, das Gegenteil ist der Fall. Ihr Arbeitgeber verdient durch Sie.

Sie erarbeiten jeden Monat eine Summe X für Ihren Arbeitgeber. Davon wird alles bezahlt. Ende!

Ein Zahlenbeispiel:
Für Ihre Arbeit bekommen Sie von Ihren Arbeitgeber monatlich 2500,- Euro Brutto gezahlt. In Wirklichkeit erwirtschaften Sie mit Ihrer Arbeit zum Beispiel 4500,- Euro monatlich. Ihr Arbeitgeber freut sich und zahlt nun von den tatsächlichen 4500,- Euro erst einmal den vereinbarten Bruttolohn von 2500,- Euro und er führt auch die Lohnnebenkosten* in Höhe von ca. 30 Prozent (darin enthalten seine Pflichtanteile an Ihre Krankenkasse, Rentenversicherung, Lohnsteuer usw.) ab. Alles was darüber hinaus übrig bleibt behält Ihr Arbeitgeber bzw. ist sein Gewinn vor Steuer.

*Die Lohnnebenkosten des Arbeitgebers sind nicht zu verwechseln mit Ihren Pflichtbeiträgen, die Sie von Ihrem Bruttolohn abgezogen bekommen. Die Lohnnebenkosten sind auf Ihrer Monatsabrechnung als Arbeitgeberanteile gekennzeichnet.

Fazit:
Letztendlich erarbeiten Sie auch die andere Hälfte des Krankenkassenbeitrages.

Wie kann am Krankenkassenbeitrag gespart werden?

Die Politik hat bereits in den 1970er Jahren bemerkt, dass es so nicht weitergeht. In der Tat waren es 1970 noch weit über 1800 gesetzliche Krankenkassen. Diese wurden über die Jahrzehnte reduziert. Heute im Jahr 2017 sind es immer noch über 100 gesetzliche Krankenkassen. Die Statistik über die Zahlen finden Sie auf der Seite von GKV-Spitzenverband.de

Anstatt noch über 100 gesetzliche Krankenkassen mit all ihren Vorständen zu dulden, wäre nur eine einzige Krankenkasse für Arbeitnehmer und Angestellte auf Dauer die günstigste Lösung. Das wäre mal eine echt soziale Tat unserer Politiker, die sonst nur über die steigenden Krankenkassenbeiträge diskutieren. Aber nichts dagegen unternehmen.

Wozu brauchen wir in Deutschland weit über hundert gesetzliche Krankenkassen?
Die letztendlich alle per Gesetz die gleiche Grundversorgung bieten müssen und je nach Kapitaldecke hier und da ein paar kleine Extras anbieten dürfen.

Übrigens: Die Reduzierung der Anzahl von Krankenkassen von damals über 1800 auf heute etwas über 100 war nicht eine gesetzliche Vorschrift unserer Politik. Nein, es haben sich aus Kostengründen immer mehr kleinere Krankenkassen zusammen getan, quasi fusioniert, um gegen die riesigen und mächtigen Pharmakonzerne einen besseren Verhandlungsstandpunkt in Sachen Medikamentenpreise zu haben.

Da ja jede Krankenkasse aus einem üppigen Vorstand mit mehreren Vorstandsmitgliedern und einer relativ großen Anzahl recht gut verdienender Verwaltungsangestellter, die eigentlich den ganzen Tag nichts anderes machen als ihren Kundenstamm zu verwalten, besteht, sind somit naturgemäß hohe Betriebskosten vorprogrammiert.

Damit kein Missverständnis aufkommt – ich gönne jeden einen guten Verdienst. Aber eine Krankenkasse mit einen Vorstand der ja bereits aus mehreren Vorstandsmitgliedern besteht, würde doch auch ausreichen. Wozu über 100 gesetzliche Krankenkassen, die zusammen mehrere 100 Vorstandsmitglieder mit Bezügen in Höhe von 200.000 bis 300.000,- Euro beherbergen? Einen netten Überblick über die Vorstandsgehälter der Krankenkassen finden Sie hier: Krankenkassen.de Begünstigt durch die heutige IT und Computersoftware ist eine einfache Zusammenlegung und Verwaltung der Kunden zudem auch möglich.

Natürlich muss die IT-Infrastruktur auch gepflegt werden. Aber das dürfte ja bei Zusammenlegung der Krankenkassen, von 100 auf 2 bis 3 Krankenkassen, kein Problem sein. Das eingesparte Geld an den Vorstandsgehältern wäre so enorm, dass man davon locker eine Gruppe ITler einstellen könnte. So eine Zusammenlegung würde sogar mehr Arbeitsplätze schaffen. Wenn man bedenkt, dass man für ein Vorstandsgehalt 4 bis 5 IT-Experten einstellen könnte. Da würde sogar noch eine Menge Geld übrig bleiben, dass dem Pflichtversicherten wieder im Beitrag zugute kommen würde.

Ich denke, Kosten einsparen sieht eben anders aus. Zumal die gesetzlichen Krankenkassen staatlich zugewiesene Aufgaben zum Wohle der Pflichtversicherten erfüllen sollten. Dazu sollte auch ein möglichst niedriger Krankenkassenbeitrag gehören.

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